BVSK - Information beim Schadenfall

Informationsblatt vom BVSK „Pech gehabt?“

Wichtige Informationen zum Verhalten und zu Ihren Rechten nach einem Verkehrsunfall.

(Bundesverband der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen e.V.)

Was Sie zuerst tun sollten:

Sichern Sie die Unfallstelle und informieren Sie die Polizei (Telefon 110). Soweit notwendig und möglich, leisten Sie anderen Unfallbeteiligten erste Hilfe.

Tauschen Sie mit dem Unfallverursacher die notwendigen Daten für die Schadenregulierung aus. Nutzen Sie dafür das standardisierte Formular des Europäischen Unfallberichts, das Sie bei Ihrem Autohaus erhalten.

Unabhängig davon, ob Ihr Fahrzeug noch fahrbereit und betriebssicher ist oder nicht:

Benachrichtigen Sie Ihr Autohaus so schnell wie möglich, im Idealfall noch vom Unfallort aus! Lassen Sie sich weder vom Unfallgegner noch von der Haftpflichtversicherung des Unfallgegners noch von der Polizei zu nachteiligen Aussagen oder Verhaltensweisen drängen. Der Unfallgegner und dessen Versicherung können aus naheliegenden Gründen keine unabhängigen Ratgeber für Sie sein.

Ihr Autohaus hilft Ihnen jederzeit schnell und unkompliziert bei der Organisation der jeweils notwendigen bzw. Ihnen zustehenden Hilfe:

  • Fachgerechtes Bergen/Abschleppen
  • Eventuelle Notreparatur
  • Eventuell notwendige Heimreise/Hotelübernachtung
  • Vermittlung eines qualifizierten Kfz-Sachverständigen
  • Fachgerechte Unfallreparatur
  • Mietwagen zu marktgerechten Tarifen
  • Vermittlung eines sachkundigen Rechtsbeistandes mit Erfahrung im Verkehrsunfallrecht

 

Ihr BVSK-Sachverständiger steht an Ihrer Seite

Als Unfallgeschädigter haben Sie grundsätzlich Anspruch darauf, dass Ihnen die im Zusammenhang mit dem Unfall entstehenden Kosten vom Schadensverursacher bzw. dessen Haftpflichtversicherung erstatten werden.

Bergen/Abschleppen

Die Kosten für die Bergung und/oder das Abschleppen Ihres beschädigten Fahrzeuges zu Ihrem Autohaus trägt gegebenenfalls die Versicherung des Unfallverursachers im Rahmen ihrer Haftung. Liegt Ihr Autohaus in zu großer Entfernung zum Unfallort, ist die Versicherung lediglich verpflichtet, diese Kosten im üblichen Umfang zu erstatten. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihr Autohaus möglichst noch von der Unfallstelle aus anrufen und die weitere Vorgehensweise abstimmen.

Freie Wahl der Reparaturwerkstatt

Als Geschädigter eines Verkehrsunfalls haben Sie das uneingeschränkte Recht, einen Reparaturbetrieb Ihres Vertrauens mit der Unfallreparatur Ihres beschädigten Fahrzeuges zu beauftragen. Die Reparatur in der Werkstatt Ihres Vertrauens stellt grundsätzlich sicher, dass später keine Probleme bei der erweiterten Herstellergewährleistung, bei Garantieleistungen oder bei möglichen Kulanzfällen auftreten und dient gleichermaßen dem Werterhalt Ihres Fahrzeugs. Sowohl die hochqualifizierten Mitarbeiter als auch die modernste technische Ausstattung der Werkstatt Ihres Vertrauens ermöglichen diese Versprechen.

Schadenfeststellung durch einen Kfz-Sachverständigen

Die Beauftragung eines Kfz-Sachverständigen Ihres Vertrauens liegt schon allein aus Gründen der Beweissicherung in Ihrem Interesse. Gleichzeitig ermittelt der Sachverständige den Umfang des Schadens sowie dessen Höhe. Ein qualifizierter Kfz-Sachverständiger kann die Höhe einer eventuellen Wertminderung Ihres Fahrzeuges ermitteln, was selbst bei Fahrzeugen, die deutlich älter als 5 Jahre sind, gegeben sein kann.

Darüber hinaus stellt er den Restwert und den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges fest.

Ihr Kfz-Betrieb ist Ihnen bei der Suche eines Fahrzeuges und der Beauftragung eines unabhängigen und qualifizierten Kfz-Sachverständigen gern behilflich.

Ist ein so genannter Bagatellschaden offensichtlich (Schadenhöhe bis ca. 750,-- Euro), werden die Kosten für das Gutachten eines Kfz-Sachverständigen i.d.R. nicht von der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers übernommen. In einem solchen Fall ist Ihnen Ihre Werkstatt gern bei der Reparaturkostenkalkulation behilflich.

Ihre Mobilität während des unfallbedingten Fahrzeugausfalls

Während der unfallbedingten Reparatur Ihres Fahrzeuges haben Sie grundsätzlich Anspruch auf die Anmietung eines gleichwertigen Ersatzfahrzeuges. Die Versicherung des Unfallverursachers ist im Rahmen ihrer Haftung verpflichtet, Ihnen die dafür entstehenden Mietwagenkosten zu ersetzen, sofern sich diese im marktüblichen Rahmen bewegen. Selbst im Falle eines Totalschadens, den Sie nicht reparieren lassen, haben Sie das Recht, ein Unfallersatzfahrzeug anzumieten, bis Sie ein Ersatzfahrzeug gefunden haben (üblicherweise wird von einer Wiederbeschaffungsdauer von 14 Tagen ausgegangen).

Falls Sie keinen Mietwagen in Anspruch nehmen möchten, z.B. weil Sie diesen nur sehr selten und für äußerst geringe Fahrtstrecken benötigen würden, haben Sie alternativ die Möglichkeit, bei der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers die so genannte Nutzungsausfallentschädigung gelten zu machen.

Totalschaden

Selbst wenn die im Gutachten des Kfz-Sachverständigen ermittelten unfallbedingten Reparaturkosten zzgl. merkantiler Wertminderung den Wiederbeschaffungswert Ihres Fahrzeugs um bis zu 30% überschreiten, können Sie Ihr Fahrzeug reparieren lassen. Das setzt allerdings voraus, dass Sie das Fahrzeug weiter nutzen wollen (grundsätzlich 6 Monate) und die Reparatur fachgerecht, entsprechend den gutachterlichen Vorgaben durchgeführt wird. Beabsichtigen Sie das nicht oder handelt es sich um einen so genannten eindeutigen Totalschaden, können Sie Ihr Fahrzeug zu dem im Sachverständigengutachten ermittelten Restwert verkaufen, z.B. an Ihr Autohaus. In diesem Fall sollte zwischen Ihnen und Ihrem Autohaus ein schriftlicher Kaufvertrag geschlossen werden. Eventuelle Kaufangebote der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers sind nur dann zu berücksichtigen, wenn sie Ihnen einerseits vor Abschluss des oben erwähnten Kaufvertrages bekannt waren oder andererseits konkrete Angaben zu dem Aufkäufer und dessen Preisangebot beinhalten. Solche Restwertangebote der Haftpflichtversicherer basieren oft auf Angeboten spezialisierter Restwertaufkäufer, die für Sie als Verkäufer nicht kontrollierbar sind.

Personenschaden

Falls Sie selbst oder in Ihrem Fahrzeug befindliche weitere Insassen durch den Schadeneintritt gesundheitliche Beeinträchtigungen erlitten haben, können Ihnen je nach Art und Ausmaß der Verletzungen weitere Entschädigungen zustehen. Dabei handelt es sich z.B. um Schmerzensgeld oder auch Heilbehandlungskosten, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden sowie um die Erstattung von Aufwendungen im Rahmen des Verdienst- bzw. Erwerbsausfalls oder der Haushaltführung. Die Klärung solcher und möglicherweise noch weiterer Ihnen zustehender Schadenspositionen erfordert i.d.R. eine Einzelfallprüfung. So sind Verletzungen z.B. durch eine ärztliche Stellungnahme zu belegen.

In solchen Fällen ist die Unterstützung durch einen versierten Rechtsanwalt dringend angeraten.

Anwaltliche Beratung und Vertretung

Es steht Ihnen frei, einen Rechtsbeistand Ihres Vertrauens mit der Wahrnehmung Ihrer Interessen zu beauftragen. Bei Unfällen:

  • mit Ausländern, die ihren Wohnsitz nicht in Deutschland haben,
  • bei denen Personenschäden und/oder Todesfälle zu beklagen sind,
  • bei denen der Verursacher unter Alkohol- und/oder Drogeneinfluss stand,
  • in die Kinder als (wahrscheinliche) Verursacher verwickelt sind.

 

ist die Einschaltung eines Rechtsbeistands immer angeraten. Ihr Kfz-Betrieb und Ihr Kfz-Sachverständiger sind Ihnen bei Bedarf bei der Suche nach einem im Verkehrs- bzw. Schadensrecht sachkundigen Rechtsanwalt gern behilflich.

Die im Zusammenhang mit dem Verkehrsunfall entstehenden Anwaltskosten hat die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers im Rahmen ihrer Haftung zu ersetzen.

Selbst verschuldeter Unfall

Auch wenn Sie einen Unfall vollständig oder zum Teil selbstverschuldet haben, stehen wir an Ihrer Seite.

Wenn Sie kaskoversichert sind, sind Ihre Rechte und Pflichten nicht gesetzlich geregelt, sondern ergeben sich aus Ihrem Kaskoversicherungsvertrag. Grundsätzlich gilt aber auch hier, dass Sie einen Reparaturbetrieb Ihres Vertrauens mit der Instandsetzung beauftragen können, sofern der Kaskovertrag ausdrücklich nichts anderes bestimmt.

 

Praxistipp

Fragen Sie Ihren BVSK-Sachverständigen, der Ihnen im Rahmen seiner Möglichkeiten bei der Abwicklung Ihres Unfallschadens hilft. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.bvsk.de oder www.autorechtaktuell.de.